Liebe NaturFreundin, lieber NaturFreund in Ulm!
Im Namen des Bundesvorstandes der NaturFreunde Deutschlands danke
ich Euch sehr herzlich für Eure Arbeit, für Euren Einsatz und für Eure
Solidarität. Ihr könnt stolz darauf sein, dass Ihr zu mehr Lebensqualität beigetragen
habt. Ihr seid ein starkes Stück Baden-Württemberg.
100 Jahre NaturFreunde Ulm, das war eine bewegte Zeit. Sie begann kurz
vor dem ersten Weltkrieg, als das europäische Staatensystem zusammenbrach,
weil die nationalistischen Mächte nicht gestoppt werden konnten.
Danach die Weimarer Republik und die Unfähigkeit, die ökonomischen
Kräfte des Kapitalismus sozial zu bändigen. Die Folge der Entbettung
waren der Faschismus und der schlimmste Krieg, den die Menschheit bisher
erleben musste. Nicht von ungefähr wurden die NaturFreunde damals
verboten, denn wir haben die braunen Gespenster vertreiben wollen.
Und nach dem Krieg kam es im letzten Jahrhundert, dem Jahrhundert der
Extreme, zum Wohlfahrtsstaat, der auch unsere Gesellschaft wie einen
Fahrstuhl nach oben gehoben hat. Das war auch unsere Leistung, denn wir
wollten immer mehr soziale Demokratie verwirklichen.
Und nun kehren die dunklen Kräfte zurück, weil Geld nicht dient, sondern
herrschen will, und weil in den 1980er-Jahren die erneute Entmoralisierung
der Wirtschaftsordnung begann. Der neoliberale Finanzkapitalismus
hat die Demokratie in Geiselhaft genommen. Das zeigt: Auch unsere
Zeit ist nicht gefeit vor dem Absturz, solange die ökonomie über die
Gesellschaft dominiert. Wir wollen nicht die Märkte beruhigen, also den
Geldhändlern hohe Profite zuschachern, sondern die Menschen beruhigen.
Jetzt müssen wir alles tun, um wieder zu einer Stärkung der sozialen
Demokratie zu kommen und eine nachhaltige Entwicklung durchzusetzen.
Das ist das Gebot unserer Zeit. Und dafür braucht unsere Zeit die
NaturFreunde.
Wir erleben einen Epochenbruch, in der sich alles grundlegend verändert
und wir deshalb auch neu für soziale Demokratie kämpfen müssen. Wir
müssen mehr Demokratie und mehr Politik wagen. Ich bitte Euch, bleibt
engagiert und kämpft für die gute Sache, die uns seit der Gründung 1895
in Wien angetrieben hat: Das Wissen, dass ein gutes Leben durch die
Demokratisierung der Wirtschaft, die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit
und eine naturverträgliche Gesellschaft möglich wird.
Alles Gute, solidarische Grüße und Berg frei
Euer Michael Müller, Vorsitzender NaturFreunde Deutschland